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Landstrasser Wassernutzung am Wiener Neustädter Kanal, 1822

Es ist allgemein bekannt, dass der ehemalige künstliche Wasserweg des Wiener Neustädter Kanals ab 1804 für die Schifffahrt zwischen der damaligen Haupt- und Residenzstadt Wien und Pöttsching südlich von Wiener Neustadt genutzt wurde. Dass aber das Wasser des Kanals, das übrigens aus der Schwarza/Leitha und dem Kehrbach - ein 16 Kilometer langer künstlicher Wasserweg im südlichen Niederösterreich, der ursprünglich zur Befüllung des Grabens rund um die Burg von Wiener Neustadt diente - abgeleitet wurde, auch zum Antrieb von Maschinen verfügbar war, ist heute weitgehend vergessen.

Wr. Neustädter Kanal - Lageplan Obere Bahngasse

Die dazu notwendigen Ableitungen befanden sich jeweils unmittelbar vor einer der Kanalschleusen. In unserem Planarchiv befindet sich der historische Situations-Plan für den Hafen-Abschluss-Schlauch des Wr. Neustädter-Canals vom Hafen am Rennweg bis zur Einmündung in den Wienfluss für die zum Wr. Neustädter-Schiffahrts-Canale im Rayon Wien gehörigen Grundparzellen, 1822 (der Name des Planes ist tatsächlich so umständlich und lang!), auf dem zwei dieser Zuleitungen zu sehen sind.
Im Bereich der heutigen städtischen Wohnhausanlage Unger-Hof in der Oberen Bahngasse bestand über mehr als einhundert Jahre die Furnierfabrik L. Kattus & Sohn (weitere Details dazu in unserer Homepage), die das Kanalwasser vor der Schleuse an der heutigen Kreuzung Rennweg/Fasangasse zum Antrieb ihrer Maschinen entnahm.

Interessant ist, dass während der Bauarbeiten für die Flughafen-Schnellbahn hier ein begehbarer Schacht aufgedeckt wurde, in dem sich noch immer die Rohrleitung befand, die für die Rückführung des Antriebwassers in den Kanal verwendet wurde. An der Stelle, wo die Beatrixgasse das Kanalbett kreuzt, befand sich eine weitere Schleuse.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier bestand von 1822 bis 1856 eine Stuckbohrerei an der Stelle des späteren Beatrixbades (Linke Bahngasse 9/Beatrixgasse 14). In diesem Betrieb wurden die von der Gießerei gelieferten halbfertigen Kanonrohre gebohrt. Dem Kriegs-Handwörterbuch von Theodor Hildebrandt (1820) entnehme ich, dass zum Bohren von Kanonrohren 16 bis 18 verschiedene Bohrungen, die letzte wurde als "Kaliberbohrung" bezeichnet, notwendig waren

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Das Zeitalter der Industrialisierung in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der Landstrasse

Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde die gesamte Versorgung der Armee mit medizinischem Bedarf Franz Wilhelm Natorp übertragen, der seinen Betrieb im damaligen Haus Rennweg 12 unter der Bezeichnung Militärmedikamenten-Regie gründete.

Nach der darauf folgenden Jahrhundertwende begann die Industrialisierung entlang des neuen Wiener Neustädter Kanals, mit dessen Wasserkraft Maschinen angetrieben werden konnten. Stellvertretend möchte ich hier nur zwei Betriebe nennen: 1807 wurde an der heutigen Anschrift Obere Bahngasse 4 die Furnierfabrik Kattus gegründet und 1822 die Stuckbohrerei an der Stelle des heutigen Gebäudes Linke Bahngasse 9.

1802 richtete das Ehepaar Nanette, geb. Stein und Johann Baptist Streicher an der heutigen Anschrift Ungargasse 46 eine Klavierfabrik ein.

1806 übernahmen die beiden Brüder Josef und Anton Voigt das Handelshaus "Zum schwarzen Hund" in der Innenstadt und richteten 1819 einen Erzeugungsbetrieb im ehemaligen Haus Ungargasse 28 ein. Ab 1815 trug die Firma den Namen Josef Voigt & Co. eröffnet.

Seit 1835 gab es an der heutigen Anschrift Erdberger Lände 28c die Maschinenfabrik G. Roth AG, vorm Dengg & Co. Und seit 1838 werden an der heutigen Anschrift Am Heumarkt 1 im von Paul Sprenger errichteten Gebäude Münzen und Medaillen geprägt.

Im selben Jahr gründete Franz Josef Ferdinand Zahn eine Glaslusterfabrik im Haus Salesianergasse 9, die noch heute besteht.

 

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Ausflug in die Industriegeschichte

Der ehemalige Wiener Neustädter Kanal als Energiequelle


Kattus2977Es ist allgemein bekannt, dass dieser künstliche Wasserweg ab 1810 für die Schifffahrt zwischen der damaligen Haupt- und Residenzstadt Wien und Pöttsching zur Verfügung stand.
Dass aber das Wasser des Kanals, das übrigens hauptsächlich aus der Leitha und dem Kehrbach - ein 16 Kilometer langer künstlicher Wasserweg im südlichen Niederösterreich, der ursprünglich zur Befüllung des Grabens rund um die Burg von Wiener Neustadt diente - abgeleitet wurde, auch zum Antrieb von Maschinen verfügbar war, ist heute weitgehend vergessen. Diese Ableitungen befanden sich jeweils unmittelbar vor einer der Kanalschleusen.
In unserem Archiv befindet sich der historische Situations-Plan für den Hafen-Abschluss-Schlauch des Wr. Neustädter-Canals vom Hafen am Rennweg bis zur Einmündung in den Wienfluss für die zum Wr. Neustädter-Schiffahrts-Canale im Rayon Wien gehörigen Grundparzellen, 1822, auf dem zwei dieser Zuleitungen zu sehen sind.

Im Bereich der städtischen Wohnhausanlage Unger-Hof in der heutigen Oberen Bahngasse war über mehr als einhundert Jahre die Furnierfabrik L. Kattus & Sohn daheim (Details s. auch http://www.dasmuseen.net/Wien/BezMus03/page.asp/2976.htm), die das Kanalwasser vor der Schleuse an der heutigen Kreuzung Rennweg/Fasangasse zum Antrieb ihrer Maschinen entnahm. Interessant ist, dass während der Bauarbeiten für die Flughafen-Schnellbahn hier ein begehbarer Schacht aufgedeckt wurde, in dem sich eine Rohrleitung befand, die für die Rückführung des Antriebwassers in den Kanal verwendet wurde.
An der Stelle, wo die Beatrixgasse das Kanalbett kreuzt, befand sich eine weitere Schleuse. Hier bestand von 1822 bis 1856, als sie ins damals neu errichtete Arsenal verlegt wurde, eine Stuckbohrerei an der Stelle des späteren Beatrixbades (Linke Bahngasse 9 /Beatrixgasse 14).
In diesem Betrieb wurden die von der Gießerei gelieferten halbfertigen Kanonenrohre gebohrt. Dem "Kriegs-Handbuch" von Theodor Hildebrandt entnehme ich, dass zum Bohren von Kanonenrohren 16 bis 18 verschiedene Bohrer, der letzte wurde als "Kaliberbohrer" bezeichnet, notwendig waren.

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Das Zeitalter des Merkantilismus auf der Landstrasse

Im 18. Jahrhundert wurden während der Regierungszeit Maria Theresias englische Betreiber von Manufakturen nach merkantilistischen Gesichtspunkten in den Wiener Vorstädten angesiedelt. So auch in Erdberg und auf der Landstraße.
Im Haus Erdberg Kirchengasse Conscr. Nr. 40 (= Apostelgasse 4) betrieb Thomas Lighthowler eine Knopffabrick, in der er tombakene (= Knöpfe aus Messing), zinnene und gepresste Formen-Knöpfe herstellte, und im Haus mit der Conscr. Nr. 41 (= Apostelgasse 6) befand sich die Bleystefftenfabrick der Brüder Thomas und Jakob Langish.
An der Anschrift Erdberg Kirchengasse Conscr. Nr. 44 (= Apostelgasse 12) gab es auch einen Manufakturbetrieb, der von Joseph Binder, einem Nichtengländer, betrieben wurde. Seine Erzeugungsstätte wurde in der Umgebung Waderlmacherhaus genannt, weil dort Fächer hergestellt wurden.
An der Anschrift Blumengasse Conscr. Nr. 5 (= Kundmanngasse 33) stellte Thomas Grow in seinem k.k. Fabrickenhaus gemeinsam mit seinen Mit- arbeitern Jakob Selli und Johannes Janson vorzüglich Uhrketten, Schnalln und Lichtputzen (= Dochtscheren) her.

Haus zum Schwarzen Ochsen

An der Stelle des heutigen Hauses Ungargasse 47 wurde 1775 der hochlöbliche Comercien Hof eingerichtet und 1783 findet man hier die k.k. Comercial Verlagskasse. Diese damals neue staatliche Einrichtung sollte im Zeitalter des Merkantilis- mus zur Belebung der Wirtschaft insbesondere der Spinnereien beitragen. Hier in der Ungargasse befanden sich Warendepots  und Unterkünfte für die Bediensteten dieses Staatsbetriebs. Diese Baulichkeit war sehr weitläufig, weshalb es hier auch ein Gasthaus mit dem schönen Namen "Zum schwarzen Ochsen" gab, das von Johann Füring bewirtschaftet wurde, wofür er dem Staat 20 fl (= Gulden) Steuer zu bezahlen hatte.
Offenbar erfüllte der Kommerzienhof nicht die in ihn gesetzten Erwartungen, weil er bereits im Jahr 1800 nicht mehr bestand. Ab diesem Jahr hieß der Besitzer der weitläufigen Anlage Matthew Rowsthorne, der bereits seit 1765 - er war aus Presten / Lancashire nach Wien gekommen - an anderer Stelle in unserer Stadt ebenfalls so wie Thomas Lighthowler in Erdberg Messingknöpfe erzeugte.

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Das Portois & Fix-Haus in der Ungargasse

Die Geschichte der ehemaligen Firma Portois & Fix lässt sich aus den wenigen noch vorhandenen schriftlichen Quellen nur in groben Zügen nachvollziehen. Anton Fix (1846-1918) übernahm 1872 die von seinem Vater gegründete Tapeziererfirma in der Heumühlgasse 20.

Portois1563Wann der aus Frankreich - andere Quellen sprechen von Brüssel - stammende Auguste Portois (gest. 1895) nach Wien gekommen ist, lässt sich nicht genau feststellen. Jedenfalls gründete er 1874 eine Möbel- und Einrichtungs- firma am Kolowratring 7 (= seit 1928 Schubertring).
Ab 1881 gab es die Firma Portois & Fix in Wien, die ab 1884 neben dem Handel mit Möbeln, Tapeten, Marmorkaminen und Dekorationsstoffen ab 1884 auch selbst Möbel erzeugte. Nun begann die große Zeit der neuen Firma. Sie wurde nicht nur mit der Ausgestaltung von großbürgerlichen und adeligen Wohnsitzen, sondern auch von Schiffen betraut und führte Entwürfe von Kolo Moser, Adolf Loos sowie von Josef Hoffmann aus.

Obwohl Portois 1892 aus der Firma ausgetreten war, findet man ihn auf einem Titelblatt des Illustrierten Wiener Extrablattes vom 17. November 1893 neben Müller-Guttenbrunn, Rückauf, Jaburek und Roth als einen der mit der Gründung des Raimundtheaters befassten Männer.

Weitere ausführliche Details erfahren Sie auf unserer Museumshomepage.

Bitte unterstützen Sie unser Projekt durch Ihre Mitarbeit: Merkantilismus auf der Landstraße. Es hat sich eine Arbeitsgruppe dazu gebildet, die auf der Forschercommunity bei www.Forschmit.at die Arbeit aufgenommen hat.

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