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Franz Karl Ginzkey (1871-1963)

Der Erfinder des Hatschi Bratschi und des über die Tapete reisenden Florian.

Ginzkey

K. u. k. Offizier, Kartograph, Dichter und Schriftsteller: das alles war dieser Mann, den ich   noch heute verehre, obwohl er sich mit den Machthabern des Dritten Reiches arrangierte,  indem er 1942 Mitglied der NSDAP wurde. Aber, wer weiß, wodurch er vielleicht dazu gezwungen war. Schon als jungen Menschen zogen mich seine Verse eigentümlich an, und ich erinnere mich mit Freude an die Lektüre seiner Novellen wie zum Beispiel Magie des Schicksals. Er wohnte während einiger Jahre in einem Haus der Mohsgasse, wo es aber natürlich keine Gedenktafel gibt: Schließlich und endlich, wer erinnert sich heute schon noch an den Ginzkey? Seine Ballade Der schlafende Wagen, in der er den greisen, schlummernden Prinzen Eugen mitsamt seinen alten, schlafenden Dienern in seiner Kutsche vor dem Tor des Belvedere schildert, bringt mich immer wieder beim Lesen zum Schmunzeln.

Sieh, da naht sich leise, leise auf den Zehn das Volk im Kreise, sorgend, dass kein Lärm bestehle seines Lieblings Heldenschlaf. Stumm umstand das Volk der Wiener Prinz Eugen und seine Diener. Bis ein Schusterbube lachend auf zwei Fingern schrillend pfiff. Er bekam zwar eine Schelle, doch sie tönte also helle, dass der alte Held erwachend jäh nach seinem Degen griff. ............. Mit Gequietsche und Gerutsche schob sich schnell die alte Kutsche durchs Portal. Ein freundlich Winken, und der Prinz verschwunden war.

Ich kaufte meinen beiden Buben - Geburtsjahr 1965 und 1967 - Ginzkeys Kinderbücher und sehe es noch vor mir, wie der Jüngere mit vier Jahren, als sein älterer Bruder den Hatschi Bratschi und den Florian bereits selbst lesen konnte, beim Ansehen des Buches wichtig dreinschauend die Verse laut deklamierte und die Seiten an der richtigen Stelle umblätterte.

War das eine schöne Zeit! Karl Hauer

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Lebenserfahrung

 

Lebenserfahrung

eines Siebzigjährigen

Ich kannte einst ein kleines, süßes Veilchen. Es spürte nicht das Frühlingssturmgetose, auch nicht das wilde Knabenmundgekose, ich dacht' mir, warte noch ein kleines Weilchen.

Ich wartete zwei oder drei so Weilchen und aus dem Veilchen wurde eine Rose, der wilde Knabe kam und brach die Rose, ich - fand zum Glück ein neues Veilchen.

So unbarmherzig ist das Schicksalswalten und manche Liebe mußte jäh erkalten, drum sage niemals: später oder nie -

und kannst das Veilchen du auch noch nicht halten, bevor die Rose legt Ihr Kleid in Falten, sinkst du schon selbst leicht sterbend in die Knie.

Mai 1993

v. Josef Weichselbaum, Kleinkadolz (iM) Aus seinem "Gedichte Band "

 

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Vorstellung Josef Weichselbaum

In unserem Verlag haben wir Werke von Josef Weichselbaum, einem Heimatforscher aus Kleinkadolz im Weinviertel aufgenommen.

J. Weichselbaum hat als Kleinbauer Jahrzehnte an der Erforschung seiner Region gearbeitet. Unter vielem anderen hat er sein Großwerk Chronik von Enzersdorf im Thale und Kleinkadolz mit 900 Seiten nach 18 jähriger Recherche im Jahre 2006 veröffentlicht.
Darin findet man seine Recherchen und Dokumentensammlung aus dem ganzen Weinviertel.
Geboren am 15. 3. 1920, verstorben am 25. 5. 2007.
Wir haben seinen Nachlass 2011 übernommen und sein Werk neu aufgelegt. Im Nachlass befand sich auch ein Gedichte Band, er bezeichnet diesen "Sonette zur hohen Mime", welches wir ebenfalls neu auflegen. Wir bringen Auszüge aus diesem Band hier zur Ergötzung und Besinnung.

J. Weichselbaum war ein bescheidener Mensch, jedoch mit großer Schaffenskraft und Ausdauer.

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Ida Pfeiffer (1797-1858), die mutige Weltreisende und Autorin

Interessante Landstraßer Persönlichkeiten, die im St. Marxer Friedhof beerdigt wurden (6)

 

Ida PfeifferIn diesem Beitrag stelle ich die weitgehend unbekannte erste Weltreisende Ida Pfeiffer vor. Sie wurde 1797 in Wien geboren und starb 1858.
Zuletzt lebte sie in der Münzgasse. Nach einer problematischen Kindheit und Jugend schloss sie 1820 eine Vernunftehe mit einem um 24 Jahre älteren Witwer, mit dem sie zwei Söhne hatte. Als ihre Mutter 1837 starb, befreite sie die Erbschaft aus der drückendsten Not.
Nachdem die Ausbildung der beiden Söhne abgeschlossen war, trat Ida Pfeiffer 1842 ihre erste Reise an, die sie nach Palästina und Ägypten führte. Nach ihrer Rückkehr beschrieb sie ihre Erlebnisse in Buch "Reise einer Wienerin in das Heilige Land" und erntete damit einen großen Erfolg.

Nun konnte sie 1845 ihre zweite Reise finanzieren, die sie nach Island, Norwegen und Schweden führte. Schon 1846 erschien ihr Buch "Die Reise nach dem skandinavischen Norden", womit sie ihre erste Weltreise 1846 bis 1848, die sie nach Südamerika, Indien und in den Vorderen Orient unternahm, bestreiten konnte. Wieder in Wien verfasste sie das dreibändige Buch "Eine Frauenfahrt um die Welt", das ebenso wie ihre früheren Veröffentlichungen Anklang fand.

Ida Pfeiffer sitzend1851 bis 1855 folgte die zweite Weltreise nach Südafrika, Indonesien und Amerika. Nun folgte ihr nächstes vierbändiges Buch "Meine zweite Weltreise". 1856 wollte sie nach Australien reisen, landete aber schließlich von Mauritius aus in Madagaskar, wo sie der Spionage bezichtigt und ausgewiesen wurde.
Todkrank kam sie im September 1858 wieder nach Wien. Ihr Sohn Oscar veröffentlichte posthum das zweibändige Werk "Die Reise nach Madagaskar".
Ida Pfeiffer wurde im St. Marxer Friedhof beigesetzt und später in ein Ehrengrab im Wiener Zentralfriedhof umgebettet.
Die Werke dieser ungewöhnlichen Frau können in sieben Neuauflagen mit veränderten Titeln erworben werden.
Als Kenner dieser Bücher - wir haben in unserer Museumsbibliothek alle ihre Werke - versichere ich Ihnen, dass sie auch noch heute lesenswert sind.
Ida Pfeiffer wohnte zuletzt im Haus Münzgasse 1. Leider gibt es hier keine Gedenktafel für diese großartige Frau.

INFO : Der ausführliche neue Führer durch den St. Marxer Friedhof mit einem beigelegten Orientierungsplan liegt nun für Interessenten vor.
Sie können diesen im Bezirksmuseum Landstraße oder im Onlineshop erwerben

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Du Gute

Du Gute, schönste aller schönen Frauen - ist 's nötig denn, daß mich die Sehnsucht quäle und daß ich Tag und Nacht die Stunden zähle bis ich darf Deine Seelenaugen schauen?

Ich wag' es kaum, dem holden Glück zu trauen, daß Deine große Samariter-Seele,

so kindlich rein und frei von Schuld und Fehle, mir ihre Liebe schenkt und ihr Vertrauen.

Warum darf ich nicht Deine Nähe fühlen, warum darf ich nicht Deine Schönheit sehen, wenn sich mein Herz nach Deiner Liebe sehnt?

Ich möcht' ganz tief in Deinem Herzen wühlen, ich möcht' ganz stark um Deine Liebe flehen, wenn auch mein Leben schon im Herbste tränt.

v. Josef Weichselbaum, 1991 aus seinem Gedichte Band

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Anton Kuh (1890-1941), Jounalist, Essayist und “Sprechsteller”

Landstraßer/innen, über die man auch noch heute (manchmal) spricht.

 

Der Autor Anton Kuh

Der an der Weißgerber Anschrift Matthäusgasse 5 geborene Kaffeehausliterat Anton Kuh entstammte einer Prager Journalistenfamilie, der seine Artikel - Satiren und Prosastücke, in denen er sich als Pazifist und Demokrat kritisch mit seiner Zeit auseinandersetzte - nicht nur unter seinem Namen sondern auch unter dem Pseudonym Yorick veröffentlichte. Er würdigte als einer der ersten die Bedeutung seines Zeitgenossen Franz Kafka und warnte schon in den Zwanzigerjahren seherisch vor dem Mitteleuropa drohenden rechten Faschismus.

Seine Stegreifreden, die von vielen seiner Bewunderer gestürmt wurden - unter anderem hielt er im Jahre 1926 im Wiener Konzerthaus die denkwürdige Rede Der Affe Zarathustra, in der er sich polemisch mit Karl Kraus, dessen Eitelkeit und Publikumsverachtung auseinandersetzte - veranlassten Kurt Tucholsky ihn als Sprechsteller zu bezeichnen. Zwei Wochen vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich - dem so genannten Anschluss - fragte er in seiner letzten Veranstaltung : “Sind die Juden intelligent?” und setzte fort: “Wenn ja, rettet Euch. Es ist höchste Zeit!”

Kuh lebte 1928 bis 1933 in Berlin, nach der Machtübernahme durch die Nazis wechselte er zwischen Prag und Wien, wo er im ehemaligen Hotel Beatrix - Landstraßer Hauptstraße 10 - ein Dauerzimmer gemietet hatte.

1938 emigrierte Anton Kuh in die USA - die Nazis bezeichneten ihn als Kulturbolschewik - und starb er in New York.

Es gibt leider keine Gedenktafel für den bedeutenden Literaten in unserem Bezirk; seit 2002 erinnert wenigstens der Anton-Kuh-Weg an ihn.

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Der Karikaturist Rudolf Dirr

Der 2002 verstorbene Graphiker und Karikaturist wohnte mehr als 50 Jahre bei uns in der Fasangasse. Über Jahrzehnte schuf er Karikaturen für verschiede- ne Zeitungen, die heute als zeitgeschichtliche Dokumente angesehen werden können. Seine Witwe, Frau Elisabeth Dirr, übergab unserem Bezirksmuseum im Herbst 2007 eine große Anzahl von Karikaturen, die wir im Jahr 2008 in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zeigten. Rudolf Dirr wurde am 16. Februar 1919 in Ottakring geboren. Nach dem Besuch der Pflichtschule studierte er von 1933 bis 1938 an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt und trat schließlich als Freiwilliger ins österrei- chische Bundesheer ein. Nach der Annexion Österreichs im März 1938 musste Rudolf Dirr als Soldat in der deutschen Wehrmacht dienen. 1943 heiratete er die Graphikerin Elisabeth Krasselt, mit der er bis zu seinem Tod in glücklicher Ehe lebte. Als Wehrmachtssoldat wirkte er als technischer Zeichner im Heeresbauamt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann Rudolf Dirr ein fünfjähriges Studium an der Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz. 1947 wurde Dirr von Marianne und Oskar Pollak in den Vorwärts-Verlag  geholt, wo er als Zeichner für die ARBEITER-ZEITUNG, DIE FRAU und DAS KLEINE BLATT tätig war. Daneben arbeitete er als freiberuflicher Illustrator und schuf gebrauchsgraphische Arbeiten wie Plakate, Bucheinbände und Inserate; für diese Arbeiten wurde der Künstler immer wieder mit Preisen ausgezeichnet. In dieser Zeit war Dirr auch als freier Mitarbeiter beim Adressen-Suppan tätig. Ab 1967 war er der Hauskarikaturist der AZ und blieb es bis zur Einstellung dieser Zeitung im Jahr 1989. 1986 wurde ihm vom Bundespräsidenten der Berufstitel Pofessor verliehen. Nach der Einstellung der AZ arbeitete er noch fünf Jahre als Karikaturist bei der WIENER ZEITUNG. Seine Arbeiten wurden in erfolgreichen Ausstellungen in Korneuburg, Scheibbs,  Schlosshof sowie in Athen und in Israel gezeigt. 1991 erlitt Rudolf Dirr einen Schlaganfall. Er starb am 25. Dezember 2002.

Sinowatz vor Schule

 

 

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